Als ich für mein neues Buch Atemübungen für kurze Pausenmomente entwickelte, fragte ich mich plötzlich: Ist das nicht alles zu wenig? Ist das nicht alles zu wenig? Was bringt das für die Weltlage? Sind diese Übungen zur Selbstfürsorge nicht zu oberflächlich?
Solche Zweifel kommen immer mal wieder, wenn ich mich mit Mini-Interventionen beschäftige, also mit kleinen Übungen, die uns helfen, besser mit Stress und Belastung umzugehen.
Vielleicht kennt ihr das: Man weiß, dass etwas große Kraft hat. Und trotzdem zweifelt man.
Doch dann gab ich ein Online-Seminar zum Thema Stressprävention.
Und wir machten die Atemübung „In 16 Sekunden zur Entspannung“ alle zusammen:
- Du atmest vier Sekunden ein.
- Du hältst den Atem 4 Sekunden.
- Dann atmest du so langsam aus, dass du dabei bis 6 oder 8 zählen kannst.
Und während ich die Übung anleitete und die Teilnehmenden über Zoom ganz nah sehen konnte, konnte ich auch sehen, wie ihre Gesichter sich entspannten.
Wie alle in weniger Sekunden eine gelassene Anmut bekamen, innere Ruhe sichtbar entstand.
Nach den 16 Sekunden hielten alle die Augen noch für einen Moment geschlossen.
Ich konnte sehen, dass die Teilnehmenden dieses Eintauchen in ihre innere Ruhe genossen. Dann machten sie die Augen wieder auf.
Wir lächelten uns an.
Atmen gegen den Stress
Und ich wusste wieder:
Gerade die kleinen Übungen, die uns helfen, innerlich ruhig zu bleiben, sind derzeit vielleicht das Beste, was wir tun können.
- Denn wenn wir innerlich ruhig sind, können wir auch die Informationsflut aus dem Außen besser sortieren.
- Wir können sehen, wenn unsere Kinder Angst vor Krieg haben und uns Zeit nehmen, um mit ihnen zu sprechen.
- Wir können selbst entscheiden, ob wir noch mehr Nachrichten schauen möchten oder einen Tag Pause einlegen, weil sonst Panik droht.
- Wir können auch den Wahrheitsgehalt der Informationen, die wir bekommen, besser bewerten und klarer einschätzen, wenn unser Geist ruhig ist.
- Wir können auch besser sehen, wie wir denen sinnvoll helfen können, die gerade in Not sind, ohne aktionistisch zu werden.
Unsere Stress-Reaktion ist schlicht
Für die große Kraft der kleinen Übungen für innere Ruhe gibt es sogar eine sehr einfache und einleuchtende Erklärung aus der Biologie:
- Wenn wir langsam und lang ausatmen, signalisieren wir unserem Körper, dass wir offensichtlich nicht auf der Flucht sind.
- Denn auf der Flucht oder im Kampf atmen wir oberflächlich und schnell.
- Unser Nervensystem liest das Signal, das von der tiefen, langsamen Atmung ausgeht, also als „Alles sicher soweit.“
- Und das führt dazu, dass sich unser ganzes System beruhigt. Unser Herzschlag und Blutdruck ebenso wie unsere Gedanken und Gefühle.
Deshalb sind Atemübungen ein sehr effektiver Weg zu Entspannung und innerer Ruhe.
Und du kannst sie überall machen. Im Meeting, in der Bahn, beim Abendbrottisch.
Im Stress ist unsere Wahrnehmung dagegen sehr fokussiert auf die Probleme und den Wunsch sie schnell zu lösen oder los zu werden. Wir neigen zu Aktionismus oder Panikgedanken.
Aufgeregtes Weiterleiten von erschreckenden Nachrichten, ohne dass man die Quelle überprüft hat, hasserfüllte Kommentare und Beschimpfungen – all das sind Panikreaktionen.
Sie machen leider nichts besser, vieles nur schlimmer.
Entspannung macht den Blick weit
Wenn wir uns etwas entspannen, können wir deshalb viel weitsichtiger denken. Wir können abwägen, ob gerade Innehalten oder Aktion die richtige Reaktion ist.
Wir werden innerlich freier, weil wir uns nicht so unter Druck fühlen.
Das heißt nicht, dass wir die Themen verdrängen. Wir betrachten sie nur mit ein klein wenig Abstand und können dadurch erst entscheiden, welche Reaktion auf die Situation gerade sinnvoll ist.
Diese Gedanken kamen mir übrigens auch erst in den Sinn, als ich ein paar Mal tief durchgeatmet und meine Zweifel noch einmal mit ruhigem Blick angeschaut habe.
Ich werde deshalb dranbleiben und euch das Wissen über die kleinen Schritte zu mehr Gelassenheit und innerer Ruhe weitergeben.
Denn natürlich ist es wahr, dass eine Atemübung nicht die Kraft hat, den Krieg zu beenden oder unsere Demokratie retten kann.
Doch sie hilft uns, auch im Chaos innere Ruhe zu finden, die Nerven zu behalten und kluge Entscheidungen zu treffen, überlegt zu handeln. Und das ist es, was wir gerade alle sehr brauchen.
Du möchtest mehr gute Übungen an der Hand haben, die dir innere Gelassenheit schenken? Dann schau mal in meinen Jahresbegleiter "Gesünder arbeiten. Besser leben." rein. Da findest du viele Impulse, ein paar gute Gedanken und jede Menge Inspiration für dein seelisches Gleichgewicht. Und alles ist sehr hübsch illustriert: dein-gutes-jahr.de
Und mein neues Buch „Stress adé“ ist auch am Start. Es zeigt dir 100 einfache Life-Hacks für mehr Ruhe in deinem Alltag. Die Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl ist bereits Fan und schreibt über mein Buch:
„Ich kenne und schätze Carola Kleinschmidt schon lange. In „Stress adé!“ zeigt sie uns ihre besten Tipps gegen den Stress – sympathisch, unterhaltsam und garantiert wirksam. Große Leseempfehlung für alle, die endlich wieder durchatmen möchten. Auch mit wenig Zeit.“
Ich habe mich darüber riesig gefreut. HIER kannst du mein neues Buch bestellen (oder in jeder Buchhandlung).
Tief atmende Grüße. Carola
Carola Kleinschmidt ist Diplombiologin, Autorin und zertifizierte Trainerin. Aktuelle Bücher: „Gesünder arbeiten. Besser leben.“ und „Aus dem Vollen schöpfen“.
Als ich für mein neues Buch Atemübungen für kurze Pausenmomente entwickelte, fragte ich mich plötzlich: Ist das nicht alles zu wenig? Was nutzen Atemübungen, wenn die Welt in Flammen steht? Die Antworten auf diese Frage sind ermutigend.
"Ich funktioniere nur noch." Wirklich leben? Das stellst du dir anders vor. Es gibt einen neuen Begriff für das Lebensgefühl, ständig am Burnout vorbei zu schrappen: Burnon. In diesem Artikel erfährst du, ob du unter Burnon leidest – und wie du dich wieder energiereicher und lebendiger fühlst.
Die Ferien gehen zu Ende – und der Job ruft wieder. Wie schön wäre es, wenn wir ein wenig von der Erholung der freien Tage festhalten könnten. 7 Tipps mit denen du deine Urlaubserholung in den Alltag mitnimmst. Meine Lieblingstipps sind Nr. 4 und 6 :-)